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Kommentar von Johann Aichner
Stadterhebung braucht ein Leitbild und Bürgerbeteiligung
Nicht mehr Puchheim-Bahnhof oder Puchheim-Ort sondern Puchheim-Stadt oder Stadt Puchheim, Stadtteil Bahnhof, resp. Ort, es wird verwirrend, wenn sich Puchheim zur Stadt erheben lassen will. Das Echo in der Bevölkerung auf den Vorstoß des Bürgermeisters war bis zur tatsächlichen Antragstellung gering.
Schon früher verwies ich in der Presse auf die Zentrumsfunktion vergleichbar großer historisch gewachsener Städte gegenüber ihren Umland, was Puchheim eben nicht auszeichnet. Tatsächlich gehen Städte in ihrer Entwicklung zurück auf die griechische „Polis“, mit einem städtischen Siedlungskern, verbunden mit einem dazugehörigen zentralen Platz. Dieser stellte den Mittelpunkt des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens dar. Puchheim hat jedenfalls diese Zentrumsfunktion in Verbindung mit einem Umland nicht. Die Frage ist wohl, ob dies heute eine Stadt noch braucht – es gibt in der Tat in jüngster Zeit Gegenbeispiele. Zur Stadt genügt nun offenbar auch eine gute Infrastruktur für Bildung, Kultur und Versorgung für die meisten Bedürfnisse des täglichen Lebens der eigenen Bürger. Was spricht ansonsten für oder gegen eine Stadt Puchheim? Diese Frage sollte schon gestellt und diskutiert werden. Das mindeste wäre nach meiner Ansicht ein Leitbild einer Stadt Puchheim und die Einbindung der Bürger. Da gäbe es einiges zu bedenken: Wie will sich Puchheim weiterentwickeln und im Verhältnis zu den benachbarten Gemeinden darstellen, die dann auch Städte sind, wie wir jetzt wissen. Es würde damit von Germering bis Olching Stadt an Stadt und Stadtgrenze an Stadtgrenze liegen.
Hat das Attribut Stadt Folgen für den Ort und seine Bewohner? Gibt es noch mehr Verstädterung, gibt es Standortvorteile und steigen dann etwa auch die Grundstücks- und Mietpreise? Oder trägt das Attribut Stadt positiv dazu bei, die Identität des Ortes und vor allem die Verbundenheit der Bürger zu ihrem Wohnort - ihrer Stadt - zu wecken oder zu stärken? Dazu gehören dann auch Geschichtsbewusstsein, Erhalt und Pflege der historischen Bausubstanz und ortsprägender Gegebenheiten und Einrichtungen. Nach meiner Auffassung muss bei dieser Frage gelten: eine Stadt und ihre Identität müssen vom Bürger mitgetragen und gepflegt werden. Daher müssen die Bürger in dieser Frage mitgenommen werden, d. h. sie sollten auch darüber mit entscheiden können. Dann hätte die Stadt ein solides Fundament. Nur eine Urkunde im Rathaus und neue Ortschilder sind zu wenig.
Johann Aichner
Puchheim




