Seit mindestens 30 Jahren wird über den Ausbau der S4-West von Pasing bis Fürstenfeldbruck/Buchenau diskutiert. Es gab viele Ankündigungen und Beschlüsse – alle unter CSU-Verantwortung – die dann kommentarlos oder mit abenteuerlichen Begründungen wieder in der Versenkung verschwunden sind – auch unter CSU – Verantwortung. Bis heute gibt es keine Entscheidungen die zu irgendeiner Verbesserung der Situation beitragen könnten. Die S4-West zusammen mit der S3 und der S8 sind die zentralen Elemente des ÖPNV im Landkreis.

Wo stehen wir heute?

Die Fahrgastzahlen auf der S-Bahn nehmen seit den 70er Jahren kontinuierlich zu, die Kapazitäten der Strecke S4-West stagnieren auf dem Niveau des letzten Jahrhunderts. Andere Strecken wurden zwischenzeitlich ausgebaut. Zusätzlich kommen jetzt noch 35.000 neue Einwohner in Freiham hinzu, die absehbar zu einem großen Teil auf die heute schon über der Kapazitätsgrenze operierende S4-West als Verkehrsmittel zurückgreifen müssen. Eine U-Bahn für Freiham wird es sehr lange nicht geben, die S8 ist ebenfalls ausgelastet und die Straßen (A99, A96, Bodenseestraße, etc.) sind heute im Berufsverkehr schon hoffnungslos überfüllt. Ebenso haben wir stetig wachsende Einwohnerzahlen in Puchheim, Eichenau, Emmering, Fürstenfeldbruck und den weiteren Gemeinden im westlichen Landkreis, die mit der bestehenden Infrastruktur (2 Gleise) nicht mehr zu bewältigen sind. Dazu kommt noch das Entwicklungsgebiet des ehemaligen Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck, welches unabhängig von der Art der Nutzung im Detail in jedem Fall weitere Verkehrsströme verursachen wird.

Unsere Ziele

Wir Freien Wähler sehen im Thema S-Bahn-Ausbau eines der zentralen Themen für den Landkreis Fürstenfeldbruck. Daher haben wir zum Thema „S4 -West“ vor einem Jahr eine Expertengruppe gegründet die seitdem intensiv an dem Thema arbeitet und zu komplexen Sachverhalten regelmäßig Bahnexperten hinzuzieht. Wir analysieren rein an der Sache und den Erfordernissen der Bürger orientiert die Faktenlage und geben entsprechende Empfehlungen bei anstehenden Entscheidungen an unsere Vertreter im Landtag. Ziel ist es mit Hilfe der Regierungsbeteiligung der Freien Wähler auf Landesebene die Weichen so zu stellen, dass jetzt gehandelt wird und die Entscheidung zum viergleisigen Ausbau und dessen zeitnaher Umsetzung unumkehrbar getroffen wird. Wir sehen die drei S-Bahn Linien im Landkreis als das zentrale Element des ÖPNV, nur mit einer maximal leistungsfähigen S-Bahn-Infrastruktur kann man attraktive Angebote schaffen, welche von den Einwohnern im Landkreis auch angenommen werden. Das heutige Angebot auf der S4-West ermöglicht keine Steigerungen der Fahrgastzahlen mehr, die Züge sind im Berufsverkehr überfüllt, unzuverlässig und damit unattraktiv.

Ein vollständiger viergleisiger Ausbau ist die einzige sinnvolle Lösung, nur damit können wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass mehr Einwohner vom Auto auf den ÖPNV umsteigen. Eine von der CSU immer noch favorisierte Planung und Umsetzung eines dreigleisigen Ausbaus genügt den Anforderungen schon heute nicht und macht absolut keinen Sinn.

Der viergleisige Ausbau der S4-West ist ein zentraler Bestandteil der Verkehrswende im Landkreis Fürstenfeldbruck und ein enormer Beitrag zum Klimaschutz!

Damit steigern wir die Lebensqualität für alle Einwohner, vermeiden Autoverkehr und CO2.

Die Freien Wähler sind aufgeschlossen für alle Konzepte / Projekte und Ideen aus der Bevölkerung, die unseren ÖPNV besser machen.

Folgende Maßnahmen bezüglich der S-Bahn müssen zeitnah umgesetzt werden:

  • Ausbau des Brückenkopfes Pasing zur kreuzungs- und gegenverkehrsfreien Anbindung der vier Gleise (S-Bahn und Regional- und Fernverkehr) der Strecke S4-West an den Bahnhof Pasing.
  • Beseitigung aller schienengleichen Bahnübergänge.
  • Auslegung aller Unterführungs- und Brückenbauwerke auf vier Gleise.
  • Barrierefreier Ausbau aller Bahnhöfe zwischen Pasing bis einschließlich Fürstenfeldbruck auf vier Gleise mit zwei Außenbahnsteigen für die S-Bahn und vier Bahnsteigen (davon ein Mittelbahnsteig) in Fürstenfeldbruck.
  • Wo immer möglich vorziehen der Baumaßnahmen zur barrierefreien Zugänglichkeit, auch mittels Schaffung von vorübergehenden Lösungen. Das muss schnell gehen!
  • Beschleunigung der Verfahren zur Bauumsetzung, vorziehen von Maßnahmen die zu einer schnellen Verbesserung der aktuellen Situation führen.

Der vollständige Ausbau der S4-West ist überfällig und sollte nicht weiter durch politisches Taktieren in Ausschüssen und im Landtag verzögert werden. Darunter leiden nur alle Pendler und letztlich die Umwelt, da das Angebot der S4-West so unattraktiv ist, dass ein Umsteigen vom Auto auf die Schiene dadurch kaum gefördert wird. Alle Fakten und die Entwicklung der letzten Jahre sprechen eindeutig und ohne Wenn und Aber dafür jetzt so schnell wie möglich den beschleunigten viergleisigen Ausbau der Strecke anzugehen.

Ziel muss deshalb ein parteiübergreifendes „Ja“ zum viergleisigen Ausbau im Landtag sein, am besten noch ergänzt durch einen Beschluss zum beschleunigten viergleisigen Ausbau und einem entsprechenden Planungsauftrag an die Bahn.

Die aktuell von der CSU vertretene Position „dreigleisiger Ausbau“ führt zwangsläufig zu einem Schildbürgerstreich erster Klasse und einer Benachteiligung des Landkreises Fürstenfeldbruck, der Münchner Stadtteile Aubing und Freiham sowie der Landkreise Landsberg/Lech und der gesamten Region Allgäu für die kommenden Jahrzehnte. Der dreigleisige Ausbau würde die Schienenkapazität aus Richtung Allgäu nach München für immer auf maximal zwei Zugpaare je Stunde begrenzen. Dies kann nicht im Interesse der Politik sein.

Mitglieder des S4-Arbeitskreises:  Michael Pausch (FW Puchheim), Dr. Gudrun Horn (FW Puchheim), Klaus Jürgen Pohl (FW Emmering), Hans Dieter Kuchenmeister (FW Emmering); Unterstützt von Hans Friedl, MdL

[Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 5.2.2020 - Drei Gleise müssen reichen]

[Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 9.1.2020 - Tagebuch eines Pendlers]

[offener Brief von Michael Pausch an das bayerische Verkehrsministerium vom 10.12.2019]

[Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 28.11.2019 - Schlecht überbrückt]